Mehrere große goldene Luftballons in Form der Zahl zehn schmückten die Bewegungshalle der Kooperativen „Kita Wirbelwind“ der LEBENSHILFE Bremervörde/Zeven. Passend zum Ort in der Selsinger Hauptstraße 63 feierte die Schulassistenz ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Fachtag zu Themen, die Schule und Schulbegleitung derzeit bewegen. Das Team der LEBENSHILFE Bremervörde/Zeven sorgte damit für wichtige Impulse und inhaltlichen Austausch zum „Pooling“ – also der Betreuung mehrerer Kinder durch ein Team von Begleitpersonen, statt einer einem einzelnen Kind fest zugeordneten Schulassistenz – sowie zu „Autismus in der Schule“. Die rund 40 geladenen Gäst:innen setzten sich aus Schulassistenzen, Schulleitungen, Mitarbeitenden des Landkreises Rotenburg (Wümme) sowie Vertreter:innen der LEBENSHILFE Bremervörde/Zeven zusammen.
Der Weg zum „Pooling“ bei der Schulassistenz
In der kurzen Begrüßung erinnerte sich LEBENSHILFE-Geschäftsführer Volker Wahlers zunächst an den Start des dezentralen Angebotes, das am 1. April 2016 offiziell seine Arbeit aufnahm. Doch dann richteten er und Schulassistenz-Leitung Eeske Claassen schnell den Blick in die Zukunft. „Hier bei uns im Landkreis Rotenburg (Wümme) wissen wir, dass wir das System der Schulassistenz zukunftsfähig aufstellen müssen. Aber wir wissen noch nicht im Detail, wie die konkrete Umsetzung beim ‚Pooling‘ bei uns aussehen wird“, konstatierte Eeske Claassen. Daher sei es eine wunderbare Gelegenheit, von den Nachbar:innen aus dem Heidekreis zu lernen. Diese sind den Weg zum „Pooling“ bereits im Rahmen eines Modellprojektes angetreten, das 2023 gestartet ist. Damit übergab sie das Wort an Anja Wildung, Bereichsleitung Schulbegleitung Südlicher Heidekreis von der Lebenshilfe Walsrode, deren Kollegin Schulbegleiterin Christina Kuhlmann sowie Sabine Müller, Schulleitung der Grundschule Buchholz/Aller.
Die drei Rednerinnen stellten „Das Poolmodell im Heidekreis am Beispiel der Grundschule Buchholz/Aller“ in einem gemeinsamen Impulsvortrag vor. Dabei gingen sie konkret, praxisbezogen und gut verständlich auf Rahmen-Bedingungen, Grundschule, Schulbegleitungen und ihren Alltag, Einsatz-Planung, Dokumentation und Förder-Planung, Entscheidungsstrukturen, Herausforderungen und Voraussetzungen zum Gelingen ein. Die drei Referentinnen zeigten die Vorteile des flexibleren Poolmodells auf, machten aber zugleich deutlich, dass es keine universelle Lösung für alle Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf sei. Vielmehr sei ein offener, ehrlicher und konstruktiver Austausch aller Beteiligter essentiell und viel Planung und Kommunikation vor Ort nötig. Im Anschluss an ihre Ausführungen beantwortete sie die Fragen aus dem Publikum, die das große Interesse und den Austausch-Bedarf zum „Pooling“ noch einmal verdeutlichten.
Individuelle Förderung von Schüler:innen im Autismus-Spektrum
Gerade Schüler:innen im Autismus-Spektrum benötigen oft feste Bezugspersonen, klare Strukturen und verlässliche Abläufe. Eine zentrale Frage ist somit, wie sich Poolmodelle und eine hochspezifische, individuelle Förderung zukünftig verknüpfen lassen. Deshalb schloss sich der zweite Impulsvortrag des Nachmittags „Autismus in der Schule“ von Jutta Bertholdt auch thematisch sehr passend an. Sie ist Fachkraft der Autismus-Ambulanz der LEBENSHILFE Bremervörde/Zeven. Sehr lebhaft und ebenfalls leicht verständlich erklärte die Expertin den Anwesenden unter anderem, dass es sich bei Autismus um eine angeborene neurologische Entwicklungsvariante handelt, die die Wahrnehmung, Kommunikation sowie soziale Interaktion und Integration betrifft.
Sie zeigte auf, welche Herausforderungen das autistische Kind im Schullalltag bewältigen muss – dazu zählen beispielsweise laute Geräusche, größere Menschen-Ansammlungen oder ungeplante Veränderungen. Anschließend benannte Jutta Bertholdt Unterstützungsmöglichkeiten, wie Strukturen mit möglichst hoher Verlässlichkeit bei Stundenplan, Personen und Räumen, rechtzeitige Ankündigungen von Veränderungen oder klare, eindeutige Arbeitsaufträge. Zudem ging sie ausführlich auf die Rollen und Aufgaben von Schulassistenzen und Lehrkräften ein, bevor sie ihre Ausführungen mit zahlreichen Praxis-Beispielen verdeutlichte. Die anschließende Fragerunde bildete den Abschluss der rund dreistündigen Veranstaltung der LEBENSHILFE Bremervörde/Zeven, die viele wichtige Anstöße zu beiden Themen geben konnte.






