„Ein Zuhause seit dem ersten Tag“

40 Jahre Wohnhaus „Heinrich-Zille-Straße“

Foto: LEBENSHILFE Bremervörde/Zeven 40-jähriges Bestehen: Zum Jubiläum vom Wohnhaus Heinrich-Zille-Straße der LEBENSHILFE Bremervörde/Zeven haben die Assistenz-Nehmer:innen und das Mitarbeitenden-Team Familien, Angehörige, gesetzliche Vertreter:innen, Freund:innen und Nachbar:innen zur Gartenparty eingeladen.

Foto: LEBENSHILFE Bremervörde/Zeven Begrüßte alle Gäst:innen mit selbstgemachten Armbändern: Assistenz-Nehmerin Caroline Scheele strahlt im Garten ihres Zuhauses, dem Wohnhaus "Heinrich-Zille-Straße".

Foto: LEBENSHILFE Bremervörde/Zeven Offizielle Eröffnung: Assistenz-Nehmer Helmut Tiedemann, Hausleiterin Martina Schmidt, Bereichsleiter Florian Acker, Dagmar Dreyer, die Vorsitzende vom Vereins-Vorstand, sowie Geschäftsführer Volker Wahlers (v. l. n. r.) begrüßen die Anwesenden.

Foto: LEBENSHILFE Bremervörde/Zeven Unvergessliche Momente: Wohnhaus-Mitarbeiterin Sylvia Heitmann (Dritte von links), Wohnhausleitung Antje Philipp (vorne kniend) und Assistenz-Nehmer:innen während der Freizeit auf Rügen im Jahr 2024.

Foto: LEBENSHILFE Bremervörde/Zeven Gemütliches Beisammensein im Garten: Das Grillbuffet sorgt für volle Teller und zufriedenes Schweigen auf der Terrasse und in den beiden Pavillons.

Foto: LEBENSHILFE Bremervörde/Zeven Herzlich willkommen: Hausleiterinnen Antje Philipp und Martina Schmidt sowie Bereichsleiter Florian Acker (v. l. n. r.) freuen sich über den zahlreichen Besuch zum 40-jährigen Jubiläum des Wohnhauses.

Das Haus Nummer 20 in der Heinrich-Zille-Straße liegt am Wendehammer mitten in einem ruhigen Bremervörder Wohngebiet. An diesem besonderen Tag herrscht hier allerdings noch bunteres und fröhlicheres Treiben. Mehrere hellgrüne Strandflaggen säumen den Weg der Einfahrt. Vor dem Eingang werden an einem Cocktail-Stand leckere, farbenfrohe alkoholfreie Getränke gemixt und nach und nach finden sich insgesamt rund 80 Personen ein. Der Grund: Das Haus ist eines der Wohnhäuser der LEBENSHILFE Bremervörde/Zeven und feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Menschen mit Beeinträchtigungen erhalten hier ein Wohnangebot, die, abgesehen von ihren Arbeitszeiten, durchgängig die Assistenz von Mitarbeitenden vor Ort benötigen. Die Assistenz-Nehmer:innen und das Mitarbeitenden-Team haben Familien, Angehörige, gesetzliche Vertreter:innen, Freund:innen und Nachbar:innen zu einer Gartenparty eingeladen, um das Jubiläum gemeinsam zu feiern. Auch der Bremervörder Bürgermeister Michael Hannebacher ist gerne Teil der Festgesellschaft.

Mit einem kleinen Körbchen in der Hand und einem strahlenden Lächeln im Gesicht begrüßt Assistenz-Nehmerin Caroline Scheele jede:n Einzelne:n mit einem selbstgemachten, bunten Armband. „Ich mag es sehr gerne hier. Ich liebe Pferde und besonders toll ist es, dass ich mit Mitarbeiterin Monique Tietjen regelmäßig beim Reitverein Barchel zum Reiten gehe und dass wir viel Fahrrad fahren, um einzukaufen zum Beispiel“, findet die Bremervörderin, die ein Talker bei der Kommunikation unterstützt. Und schon zieht es alle in den Garten, wo Assistenz-Nehmer Helmut Tiedemann, Dagmar Dreyer, die Vorsitzende vom Vereins-Vorstand, Geschäftsführer Volker Wahlers, Bereichsleiter Florian Acker sowie Hausleiterin Martina Schmidt die Anwesenden begrüßen und damit offiziell das gemütliche Gartenfest starten.

Bleibende Erinnerungen und frischer Wind

Der Startschuss für die Einrichtung fiel am 1. Januar 1986. Sie war das zweite Wohnhaus der LEBENSHILFE Bremervörde/Zeven. Fünf Jahre zuvor hatte diese das erste solche Wohnangebot eröffnet, welches 2010 jedoch seine Türen schloss. Damit ist die Einrichtung in der Heinrich-Zille-Straße seither das älteste der derzeit vier Wohnhäuser. Zu Beginn zogen 15 Assistenz-Nehmer:innen überwiegend in Doppelzimmer sowie ein kleines Einzelzimmer ein. Darüber hinaus stand ein Zimmer zur Kurzzeitunterbringung zur Verfügung. Im Jahr 1996 erhielt das Haus dann einen Anbau und dadurch mehr Platz. Mittlerweile leben hier 17 Assistenz-Nehmer:innen auf zwei Etagen und jede:r hat ein eigenes, individuell eingerichtetes Zimmer. Hinzu kommen neben dem großen Garten und der Terrasse eine Kombination von Küche und Esszimmer sowie ein geräumiges Wohnzimmer als Gemeinschaftsräume.

40 Jahre haben zu starkem Wandel im Haus und bei den Menschen geführt. Von den ursprünglichen Assistenz-Nehmer:innen wohnt niemand mehr in der besonderen Wohnform. „Aber was immer geblieben ist: das hier ist ein Zuhause. Wir haben keinen Heimcharakter. Und neue Assistenz-Nehmer:innen bringen auch immer frischen Wind. Untereinander herrschen eine große Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft, das ist toll“, hält Sylvia Heitmann fest. Sie ist nach zwei Kolleginnen, von denen eine sogar vom ersten Tag an zum Team gehört, die dienstälteste Wohnhaus-Mitarbeitende. Am 1. April 1986 begann sie ein Praktikum und blieb zunächst eineinhalb Jahre hier. Anschließend absolvierte sie ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin und die ersten Arbeitsjahre in anderen Einrichtungen, bevor sie 1993 zur LEBENSHILFE und zum Wohnhaus zurückkehrte.

Kleine Schritte und große Wirkung

„Du bekommst bei unserer Arbeit so viel zurück, das Verhältnis zu unseren Assistenz-Nehmer:innen ist wirklich herzlich. Es sind ihre kleinen Erfolge und Entwicklungsschritte, die mich jeden Tag aufs Neue motivieren“, schwärmt Sylvia Heitmann mit einem Lächeln im Gesicht. In ihrer Praktikumszeit gab es vor Ort neben ihr vier hauptamtliche Kolleg:innen und einen Zivildienstleistenden, heute hat sie 18 Kolleg:innen. „Das Miteinander im Team war und ist immer sehr wertschätzend. Mittlerweile haben wir ganz andere Vorgaben und zahlreiche Richtlinien, die selbstverständlich ihre Berechtigung haben. Es gibt aber leider auch deutlich mehr Bürokratie. Doch der Mensch muss bei uns stets im Fokus stehen und das Praktische ist für mich das Schönste“, fügt die erfahrene Fachkraft an.

Geblieben sind in all der Zeit zudem zahlreiche unvergessliche Momente – von den regelmäßigen Tagesausflügen, den alle zwei Jahre stattfindenden Freizeiten, den Festen und Feiertagen, an denen alle gemeinsam das Haus schön schmücken. Ausnahme-Situationen und traurige Momente, wie beispielsweise Sterbefälle, gehören ebenso dazu. „Ich finde es berührend und beeindruckend, wie die Assistenz-Nehmer:innen damit umgehen. Manche möchten meine Hand halten, mit anderen bete oder singe ich“, erzählt Sylvia Heitmann. „Darüber hinaus war die Corona-Zeit eine Ausnahme-Situation und extrem prägend für uns. Sie hat unseren Zusammenhalt noch einmal gestärkt.“

Gemeinsam gestalten und in die Zukunft blicken

Auch Martina Schmidt hält es bereits lange in der Heinrich-Zille-Straße. Nachdem sie 2014 erfolgreich ihre Ausbildung, ebenfalls zur Heilerziehungspflegerin, abgeschlossen hatte, fing sie im Wohnhaus an und übernahm dann 2017 die Leitung. „Mir gefällt es so gut, weil wir hier in der besonderen Wohnform viele Freiheiten haben und man einiges von sich selbst einbringen kann – Ideen, Talente und Hobbys. Gemeinsam mit den Assistenz-Nehmer:innen gestalten wir den Tag. Es wird niemals langweilig und ich kann sehr eigenverantwortlich arbeiten.“ „Von den Assistenz-Nehmer:innen erfahre ich eine Dankbarkeit, die in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich ist“, ergänzt Antje Philipp, die sich seit Ende 2023 die Leitung mit Martina Schmidt teilt. „Das sorgt für große Freude bei mir, sodass ich immer gerne zur Arbeit komme.“

Gerne zum Wohnhaus gekommen, sind ebenfalls die Anwesenden der Gartenparty: viel Gelächter, strahlende Gesichter und angeregter Austausch machen die Feierlichkeiten zu einem einmaligen Erlebnis. Das Grillbuffet sorgt dann für volle Teller und zufriedenes Schweigen auf der Terrasse und in den beiden Pavillons. Auch im Wohnhaus-Alltag sind die gemeinsamen Mahlzeiten in der festen Gruppe für Assistenz-Nehmer Helmut Tiedemann sehr wichtig. Das Wohnhaus Heinrich-Zille-Straße ist bereits seit elf Jahren sein Zuhause. „Die Mitarbeitenden und auch alle, die hier mit mir wohnen, sind nett“, lächelt er zufrieden – und so können die nächsten 40 Jahre doch kommen.

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